Heimatverein des Kreises Altenkirchen

Geschichte des Vereins

In der Rhein-Zeitung vom 12. September 1949  stand im Hauptbericht des Lokalteils folgendes:

Am Samstag 10. September 1949, versammelten sich im Kreisständehaus ein  "stattlicher Kreis eingeladener Gäste, um die Gründung eines das ganze Kreisgebiet umfassenden Heimatvereins vorzunehmen, dessen Aufgaben in erster Linie auf kulturellem  Gebiet liegen soll". Die Rhein-Zeitung berichtete weiter, dass sich unter den Anwesenden zahlreiche Heimatschaffende, Erzieher, verschiedene Amts- und Gemeindebürgermeister, Vertreter aus Industrie, Handel, Gewerbe und des benachbarten Heimatvereines Siegen befanden. Landrat Dr. Hanns Sinzig, der zur Gründung aufgerufen hatte, zeichnete kurz das Aufgabengebiet des neuen Vereines auf. Er führte u.a. aus, dass wertvolles Kulturgut erhalten und an die Kinder weitergegeben werden solle. Der neue Heimatverein möge dazu praktische Arbeit leisten, während ein anderer Kreis finanziell die ideelle Einrichtung unterstützen solle. Anschließend gab Dr. Emil Haas in „einem ausgedehnten Vortrag“ einen Überblick über die Entwicklung des Westerwaldes. Dr. Heinrich Holschbach ging dann in einem zweiten Vortrag auf die Geschichte des Kreises Altenkirchen ein und rief dazu auf , Kräfte mobil zu machen, die die Heimatgeschichte erforschen und schreiben sollen. Dies sah er als Hauptaufgabe des neu zu gründenden Vereines an. So sollten Orts- und Bürgermeistereiarchive entstehen, die dann mit dem Kreis- und Landesarchiv zusammen arbeiten sollten. Außerdem schlug er vor, ein Heimatblatt heraus zu geben, das die einzelnen Artikel nach bestimmten Gesichtspunkten ordnet. Mit einbezogen werden solle in die Arbeit des Kreismuseum. Gedacht war an das eigentliche Museum und ein Freilichtmuseum. Dr. Holschbach führte umfassend aus, wie aus einzelnen Publikationen eine große Materialsammlung werden könne. Nach seiner Auffassung sollte der Heimatverein „die Pulsader des kulturellen Lebens des Kreises werden“.

Schließlich überbrachte Oberstudienrat Böttchen aus Siegen noch Grüße des dortigen Heimatvereines und regte eine enge Zusammenarbeit der beiden Vereine an. Danach wurde ein provisorischer Vorstand gebildet, der die Vorbereitungen für die Arbeit des neuen Heimatvereines treffen sollte. In diesen Ausschuss wurden gewählt Dr. Holschbach aus Wissen, Dr. Haas und Dr. Holzschneider aus Altenkirchen, Heimatforscher Mosblech aus Kirchen und ein noch näher zu bestimmender Vertreter des Kreisgymnasiums Betzdorf.

Die eigentliche Gründung des Kreisheimatvereines fand am Mittwoch, 26. Oktober 1949, in der Aula des Realgymnasiums Wissen statt.

Über die Gründungsversammlung berichtete die Rheinzeitung in der Ausgabe vom 29./30.10.1949 unter der Überschrift „Verein für Heimatkunde und Heimatschutz“. Demnach waren wieder zahlreiche Vertreter der Behörden und viele Heimatfreunde und Heimatforscher zusammen gekommen. Mitglied des Heimatvereines konnten laut einstimmigen Beschluss Einzelpersonen, juristische Personen und Körperschaften werden. Der Mitgliedsbeitrag wurde je Person auf 0,50 DM im Monat festgelegt. Die Beitragshöhe für die juristischen Personen und Körperschaften kann, so wurde beschlossen der Vorstand festlegen. Vorgesehen ist die Herausgabe eines Heimatblattes, für das ein Redaktionsausschuss gebildet werden soll. Vorgesehen wurde weiter, in allen größeren Orten des Kreisgebietes Vertrauensleute zu berufen, die mit beratender Stimme an den Vorstandssitzungen des Vereines teilnehmen können. Die Satzung wurde anschließend einstimmig  beschlossen.

Die Wahl des Vorstandes hatte laut Rhein-Zeitung folgendes Ergebnis:

1. Vorsitzender: Dr. H. Holschbach (Wissen), Stellvertreter: Josef Mosberg, Kirchen, (Anmerkung des Verfassers: Der richtige Name ist Mosblech)

1. Schriftführer: Dr. Emil Haas (Altenkirchen), Stellvertreter: Dr. Holzschneider (Altenkirchen)

1. Schatzmeister: Kreisoberinspektor Adorf (Altenkirchen), Stellvertreter: Studienrat Euler (Betzdorf)

In den Redaktionsausschuss wurden Dr. Holschbach u. Dr. Holzschneider gewählt. Ein drittes Mitglied aus dem Oberkreis soll noch ernannt werden.

Zu Vertrauensleuten wurden bestellt: Lehrer Kasper für das Amt Wissen, Lehrer Philipp für das Amt Gebhardshain, Lehrer Berg für Friesenhagen, Hauptlehrer Schumacher für das Amt Hamm, Lehrer Altgeld für das Amt Altenkirchen, Otto Schneider für das Amt Kirchen. Die übrigen Ämter sollten ihre Vertrauensleute noch bekannt geben.

Anschließend hielt Pfarrer Lindscheidt aus Niederfischbach ein Referat über die „Hexenprozesse im Wildenburger Land“.

Den Vorstand darf man durchaus als Gremium mit sehr angesehenen Persönlichkeiten bezeichnen. Dr. Heinrich Holschbach beispielsweise hatte sich schon vor dem Krieg als Heimatforscher einen Namen gemacht, u.a. mit einem umfassenden Buch über das heimatliche Brauchtum. Er galt als überaus profunder Kenner der Heimatgeschichte. Dr. Emil Haas war Bürgermeister in Altenkirchen, Josef Mosblech ein in Kirchen überaus anerkannter Ingenieur oder Otto Schneider der Syndikus der Kreishandwerkerschaft. Auffallend ist auch das große Engagement vieler Lehrer. Man konnte also erwaten, dass dieser neue Verein große Aufgaben vollbringen würde. Mit Elan ging man auch an die Arbeit.

Kreisoberinspektor Hans Adorf berichtet im ersten Heimatkalender aus dem Jahre 1958, dass zahlreiche Versammlungen und Besprechungen stattfanden mit dem sichtlichen Erfolg, dass der Kreis derer, die den Verein in tätiger Mitarbeit und finanziell unterstützten, immer weiter wuchs. Es gelang auch, eine Monatsschrift „Die Heimat“ regelmäßig als Beilage der Rhein-Zeitung zu veröffentlichen. Studiendirektor Dr. Holzschneider leitete diese Schrift bis zu seinem Wegzug aus Altenkirchen. Ihm folgte Rektor Paul Hild aus Altenkirchen als Schriftleiter nach. Diese Monatsschrift kann als ein Vorläufer des späteren Heimatkalenders und Heimatjahrbuches angesehen werden.

Erster Rückschlag: Dr. Holschbach stirbt

Mitten in der Aufbauarbeit des Vereines – so schreibt Hans Adorf – wurde Studienrat Dr. Holschbach „dann plötzlich und unerwartet infolge eines  Herzschlages zur Ewigen Heimat abberufen“. Der Tod von Dr. Heinrich Holschbach hinterließ im Kreis der Heimatforscher eine große Lücke. Hans Adorf schreibt im ersten Heimatkalender dazu weiter: „Jedem, der diesen edlen, mit umfassenden Wissen in der Heimatgeschichte ausgezeichneten Menschen gekannt hat, wurde klar, dass dieser Verlust nicht wieder zu ersetzen war. Der Verein wird sein Andenken stets besonders ehren“. Ein umfassender Nachruf erschien auch in der Juli-Ausgabe des Jahres 1950 der Beilage „Deine Heimat“ für den am 10. Mai 1950 Verstorbenen. E. Kaspers aus Köttingen schreibt, dass mit Dr. Heinrich Holschbach „einer der Volkstümlichsten Männer dahin gegangen ist, die der Kreis Altenkirchen in den letzten Jahrzehnten besessen hat“. Weiter heißt es in dem Nachruf, dass Holschbach die Früchte seiner letzten Mühen (gemeint ist der Zusammenschluss der Heimatfreunde) in einem Verein nicht mehr reifen sehen konnte.  

Damit die Vereinstätigkeit nicht zum Erliegen kam,  so Hans Adorf   in seinem Beitrag im Heimatkalender 1958 weiter, übernahm Landrat Dr. Sinzig vorläufig   den Vorsitz des Vereines, den er dann im Jahre 1954 an den Lehrer  Mand aus Busenhausen abtrat. Offenbar war die Arbeit aber zwischenzeitlich nur in geringerem Umfang wahrgenommen worden, denn im März 1955 erfolgte in der Gaststätte Heckenbücker in Schönstein eine Neugründung des Vereines. In einem Beitrag für den Heimatkalender 1959 schreibt Wilhelm Mand, dass die Beilage „Deine Heimat“ nicht mehr erschien und man an eine vierteljährliche Beilage in der Rhein-Zeitung denke. Es wurden auch die notwendigen Formalien erledigt. Wilhelm Mand nahm offenbar eine Neuorganisation des Vereines vor, denn in der Mitgliederversammlung am  7. Juni 1956 wurde eine  neue Vereinssatzung verabschiedet und der Verein in das Vereinsregister eingetragen, wie Hans Adorf im ersten Heimatkalender schreibt, gleichzeitig teilte man die Aufgaben neu auf. Für die Gestaltung der Heimatzeitschrift waren Rektor Hild und Lehrer Krämer aus Altenkirchen verantwortlich. Die übrigen redaktionellen Angelegenheiten übernahm Redakteur Willy Müller aus Altenkirchen. Ein angesehener Journalist der Rhein-Zeitung. Für Film– und Bildmaterial war Lehrer Schneider aus Gieleroth zuständig. Für die Wirtschaft zeichnete Geschäftsführer Laux von der Industrie- u. Handelskammer in Betzdorf verantwortlich. Zuständig für Volks- und Familienkunde war Oberschullehrer Burkhardt aus Altenkirchen. Die Heimatgeschichte bearbeitete Erwin Katzwinkel aus Flammersfeld. Die Geschäftsleitung  übernahm Amtsbürgermeister Dr. Emil Haas aus Altenkirchen. Die Kassenleitung lag weiter in den Händen von Hans Adorf.

Der junge Verein beschäftigte sich aber nicht nur mit der Herausgabe von Publikationen, sondern es wurde auch ein Film mit dem Titel „Das schöne Wiedtal“ erworben. Dieser wurde vielerorts gezeigt und das moderne Medium Film begeistere offenbar viele Menschen bei Zusammenkünften aller Art.

1958 erschien dann der erste Heimatkalender des Kreises Altenkirchen/Westerwald. Das Titelbild zeigt das Wisserbachtal, aufgenommen von G. Schmidt aus Helmeroth. Verantwortlich für den Inhalt zeichnete Paul Hild und das Geleitwort schrieb der Vereinsvorsitzende Wilhelm Mand. Der Heimatkalender umfasste 120 Seiten. Die Themenvielfalt, wie wir sie heute kennen, war auch in dieser ersten Publikation schon zu finden. Ganz offensichtlich bemühte man sich auch, mit ausgewählten Themen das ganze Kreisgebiet abzudecken. Was im übrigen bis zur heutigen Herausgabe beibehalten wird.

1963/1964 wechselt der Schriftleiter  wegen Umzug von Paul Hild übernahm Heinz Viehmeyer, ebenfalls Lehrer,  die Verantwortung für den Heimatkalender.

1971 erscheint der Heimatkalender erstmals unter der Redaktion von Dr. Harry Beyer, Studienrat am Altenkirchener Gymnasium, aus Kroppach. Harry Beyer ist bei den Heimatfreunden bis heute unvergessen. Er war ein Stück lebendiger Heimatverein. In seinen Händen lag nicht nur die Schriftleitung des Heimatjahrbuches, er organisiert auch den Vertrieb, er ist verantwortlich für die Autorentreffen, den Jahresausflug, kurzum Harry Beyer hat sich um den Heimatverein und Jahrbuch besondere Verdienste erworben.

Die Ausgabe 1972 bedeutete einen Einschnitt. Der Heimatkalender wurde zum Heimatjahrbuch für den Kreis Altenkirchen. Vorsitzender Wilhelm Mand begründete dies in seinem Vorwort. „Nach 15 Jahren wird der Name  „Heimatkalender“ abgeändert in „Heimat-Jahrbuch“, weil wir der Meinung sind, dass der Inhalt des Buches über die Art eines Kalenders hinaus geht. Einen Kalender mit seinen erbauenden und amüsanten Kurzgeschichten liest man und legt ihn weg, wenn das Jahr um ist, aber dieses Heimatjahrbuch hebt man auf, weil sein Inhalt so wertvoll ist und oft Ergebnisse ernster Forschungsarbeit enthält, auf die man später gern zurück greift.“ Wilhelm Mand betont, dass man das Kalendarium beibehalten wird, auch das hat man bis zur heutigen Ausgabe nicht verändert.

1972 übernimmt Horst Ascheid die Geschäftsführung und die Kassenleitung des Vereins.

1973 gibt es auch einen Wechsel an der Spitze des Vereines. Wilhelm Mand gibt aus Altersgründen den Vorsitz an Pfarrer Hans Fritzsche ab.

1976  erfolgt dann ein Wechsel in der Redaktion, Karl Käppele für den Bildteil des Jahrbuches zuständig, übergibt aus Altersgründen an seinen Nachfolger Horst Ascheid, Almersbach.

1987 übernimmt Benno Solbach, Betzdorf von Pfarrer Fritzsche den Vorsitz im Heimatverein. Gleichzeitig wird Pfarrer Fritzsche zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

1995- 1997 liegt die Redaktion des Jahrbuches in den Händen von Dr. Harry Beyer und Eckard Hanke. Dr. Harry Beyer erkrankt schwer, somit ist ab 1998 Eckard Hanke alleiniger Redaktionsleiter. Ab 1997 erfolgt der Druck des Titelfotos in Farbe. Ab dem Jahre 2000 werden dann auch einige Innenseiten in Farbe gedruckt.

Im Jahre 2000 gibt dann Benno Solbach, Betzdorf, aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz ab. Zum neuen Vorsitzenden wird Arnold Holstein aus Wissen gewählt.

Im Jahre 2002 legt Arnold Holstein überraschend sein Amt nieder. Für eine Interimszeit führt der 2. Vorsitzende Kunibert Stock den Verein. In dieser Zeit gibt es große Turbulenzen. Die Druckerei Dieckmann in Altenkirchen, die vom ersten Heimatkalender bis zum Jahrbuch 2002 alle Ausgaben gedruckt hatte, muss Insolvenz anmelden. Das Buch 2003 ist bereits in Teilen erstellt. Die Druckunterlagen werden von der Druckerei Engelhardt in Neunkirchen bei Siegburg übernommen und es gelingt, auch dieses Jahrbuch rechtzeitig zum Simon-Juda-Markt in Altenkirchen heraus zu bringen. Der Vorstand ist sich einig, dass das Jahrbuch wieder im Kreis Altenkirchen gedruckt werden soll. Bei einer Ausschreibung gewinnt die Druckerei Winters in Wissen, die dann erstmals das Jahrbuch für 2004 druckt.

Im Oktober 2002 wird dann Konrad Schwan, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Gebhardshain, zum neuen Vorsitzenden gewählt. Stellvertreter ist Kunibert Stock, Roth, Kassiererin ist Marlene Ascheid, Almersbach. Stellvertreter Albert Solbach, Äpfelbach. Geschäftsführer ist Horst Ascheid, Almersbach. Stellvertreterin Inge Koch Heupelzen.

Außerdem gehört Satzungsgemäß Eckard Hanke als Redaktionsleiter des Jahrbuches dem Vorstand an.

In den Monaten November – Februar fanden  Vortragsabende mit unterschiedlichen  Themen, in der Stadthalle in Altenkirchen statt.

Ab 2007 geht man auch in andere Orte des Kreises Altenkirchen.

Der Jahresausflug mit interessanten Zielen ist immer im September.

Das Autorentreffen fand seit 1973 immer im März statt, jeweils in einer anderen Verbandsgemeinde im Kreis.

Zur Zeit gehören 95 Mitglieder dem Verein an.

Der Jahresbeitrag beträgt: EUR 6,50.

Neue Mitglieder sind immer gerne willkommen.